Sonntag, 10. April 2016

Rezension: "Dracula" von Bram Stoker

Hallo ihr Lieben,

ich habe nun endlich eine (zumindest von mir) lang erwartete Rezension für euch. Seit einer Weile lese ich nun den Horrorklassiker "Dracula" von Bram Stoker und habe gerade bei einem Kaffee die letzten 70 Seiten verschlungen. Ich kann also endlich berichten!

"Dann ward es plötzlich still, so schrecklich still, daß ich erschreckt aufstand und zum Fenster hinaussah. Draußen war alles ruhig und dunkel; die tiefen Schatten schienen voll von Geheimnissen. Nichts rührte sich, alles war starr und unheimlich wie der Tod oder das Schicksal. Nur ein dünner Streifen weißen Nebels, der mit fast unmerklicher Bewegung über den Rasen gegen das Haus herankroch, schien Leben und Gefühl zu haben."

Quelle: Jessica Iser
Story
Die Geschichte des Romans ist vermutlich jedem bekannt: Der junge Anwalt Jonathan Harker begibt sich nach Transsylvanien, um dem alten Grafen Dracula in einigen Angelegenheiten zu helfen. Jedoch wird sein Aufenthalt im Schloss immer unheimlicher und es gelingt ihm nur knapp, mit dem Leben davonzukommen. Bald darauf ereignet sich auch in London Unerklärliches. Lucy Westenra, die beste Freundin von Harkers Verlobter Mina Murray, entwickelt eine gefährliche Blutkrankheit, ein Wolf treibt sein Unwesen, der Nervenarzt Dr. Seward beobachtet einen ganz eigenartigen Patienten und bald reist Professor van Helsing an...
Wie das alles mit Graf Dracula zusammenhängt, ergibt sich aus den Tagebucheinträgen der Beteiligten, aus den Aufnahmen eines Phonographen sowie aus Notizen, Zeitungsausschnitten und Logbüchern.

Charaktere
Während der Handlung stehen dem Grafen einige Charaktere gegenüber, deren Schicksale sich zusammenfügen: Jonathan Harker, Mina Murray, Lucy Westenraa Dr. John Seward, Arthur Godalming, Quincey Morris und Professor Abraham van Helsing. Neben diesen Protagonisten tauchen auch Charaktere wie der irre Renfield aus Dr. Sewards Anstalt auf. Nach und nach werden sie alle Opfer der dunklen Pläne von Graf Dracula.

Schreibstil
Bram Stokers "Dracula" erschien im Jahre 1897, dementsprechend ist der Roman sprachlich nicht mit modernen Büchern zu vergleichen. Ich weiß nicht, wie es mit neueren Übersetzungen aussieht, aber meine Ausgabe erschien im Jahr 1967 im Carl Hanser Verlag – ich weiß, dass das immer einige interessiert, denn diese Ausgabe ist wunderschön – und so ist auch der Schreibstil etwas "altertümlich". Wie etwa im obigen Zitat zu sehen, wird hier noch die damalige Rechtschreibung genutzt.
Die Geschichte an sich wird reichlich durch die Eindrücke der Protagonisten geschmückt. Der Roman wird vollständig in Tagebucheinträgen (bzw. in den genannten Aufnahmen, Briefen, usw.) erzählt – genau das reizte mich auch besonders an "Dracula". Diese Erzählweise sorgt allerdings auch dafür, dass die Protagonisten oft seitenweise Gespräche wiedergeben, die sich sehr in die Länge ziehen können, denn oft werden die Pläne gegen Graf Dracula bis ins Detail unter den Charakteren besprochen. Einen actionreichen Horrorroman sollte man also nicht erwarten – "Dracula" ist ein Klassiker, der sich langsam Stück für Stück zusammenfügt und eher gemächlich auf sein Ende zusteuert. Aber auch das macht den Charme des Buches aus, denn es versprüht eine gewisse Romantik, in den ausführlichen Beschreibungen und den überschwänglichen Freundschaftsbekundungen der Charaktere zu lesen.

Lesevergnügen
Mein Lesevergnügen war also einerseits sehr groß, da es einfach schön ist, mal so etwas ganz anderes als moderne Romane zu lesen. Besonders vor dem Einschlafen habe ich gerne noch ein Kapitel gelesen und wollte einerseits nicht, dass es zu Ende geht – weshalb es im Endeffekt auch sehr lange dauerte, bis ich das Buch endlich durch hatte.
Bisher waren mir nur einige Adaptionen von Bram Stokers "Dracula" bekannt, aber vor allem Francis Ford Coppolas Verfilmung aus dem Jahr 1992. Wer diese kennt weiß, dass dort das Liebesdrama zwischen Dracula und Mina, in der der Vampir seine verstorbene Frau wiederzuerkennen glaubt, eine tragende Rolle spielt. Ich wusste, bevor ich mit dem Roman begann, nicht, ob das im Buch auch der Fall sein würde – nein, damit hat der Roman nichts zu tun, auch wenn der Film ansonsten szenisch und erzählerisch sehr starke Parallelen zum Buch hat, weshalb ich ihn euch trotzdem ans Herz legen möchte.

 Quelle: Moviedinho/Youtube

Wenn ihr im Roman also eine dramatische Liebesgeschichte erwartet, werdet ihr wohl eher enttäuscht sein. Ebenso, wenn ihr Horror und Action zu finden glaubt. Grusel ist vorhanden, genauso unheimliche Ereignisse, aber mit dem, was viele heutzutage unter Horror verstehen, hat das nichts zu tun. Ich denke aber, dass man sich dessen bewusst ist, bevor man "Dracula" liest, kann aber auch verstehen, wenn jemand sagt, dass ihn das Buch gelangweilt hat. Auch für mich gab es einige Längen, die man deutlich hätte straffen können, da sie kaum zur Handlung beitrugen, vieles wurde oft in den Worten der Charaktere wiederholt und an die ausschweifenden Gespräche muss man sich erst gewöhnen. Das macht das Buch in meinen Augen aber nicht langweilig, höchstens etwas langatmig – allerdings bin ich in diesem Fall sogar froh, einen etwas langwierigeren Lesegenuss zu haben.

Fazit: Ich denke, dass jeder Grusel-Liebhaber ein Mal "Dracula" gelesen haben sollte und kann es sehr empfehlen. Mit vier Leseratten bekommt der Roman auf jeden Fall einen ganz besonderen Platz im Bücherregal. Darf ich noch einmal erwähnen, wie schön diese Ausgabe ist?

Quelle: Jessica Iser

Liebste Grüße





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