Montag, 5. Dezember 2016

Rezension: "Der Kinderdieb" von Brom



Hallo ihr Leseratten,

Nacherzählungen und Adaptionen von Märchen begeistern mich ja – wenn sie gut gemacht sind und eigenständige, neue Elemente beinhalten. So kam ich also auch nicht um „Der Kinderdieb“ von Brom herum, einer düsteren Abwandlung von „Peter Pan“. Ziemlich lange habe ich daran gelesen. Aber ist das nun gut oder schlecht?

„Die Sterne blinzelten zurück, weil Peters Lächeln einfach unglaublich ansteckend war.“

Quelle: Jessica Iser

Story

Der ewig junge, verschlagene Peter streift durch die Menschenwelt, um gequälte und traurige Kinder durch einen gefährlichen Nebel in das magische Reich Avalon zu bringen. Nick ist einer dieser „Auserwählten“. Was er auf der anderen Seite des Nebels findet, passt ihm allerdings so gar nicht. Doch Peter verfolgt seine eigenen Ziele: Avalon vor dem Untergang zu bewahren und seine geliebte Dame vor dem Kapitän zu retten…

Brom hat sich für seinen 648 Seiten starken Roman den Klassiker „Peter Pan“ vorgeknöpft und verschiedenste Mythen damit verwoben – daraus entstand ein märchenhaft düsteres Abenteuer.

Charaktere

Im Mittelpunkt stehen Peter und Nick, die mindestens genauso fasziniert voneinander wie unterschiedlich sind. Peter, der als „Dämonenkind“ von den Menschen verstoßen wurde, und der junge Nick, der von den Untermietern seiner Mutter bedroht wird, machen im Laufe der Geschichte unterschiedliche Entwicklungen durch.

Dann sind da noch die „Teufel“ Grille, Danny, Sekeu, Leroy, Blutrippe sowie einige andere, die in „Der Kinderdieb“ eine Rolle spielen. Sie alle haben verschiedenste und glaubhafte Persönlichkeiten bekommen. Das macht sie so abwechslungsreich und spannend, auch wenn man nicht immer jeden von ihnen auch leiden kann.

Der Kapitän war eine Figur, die vor allem zum Ende hin interessant wurde. Die Dame ist die herrliche Göttin, die Peter über alles verehrt. Auch ihr wurden besondere Facetten gegeben. Nennenswert sind außerdem Ulfger und Tanngnost. Insgesamt hat mir die Charaktervielfalt, die Brom geschaffen hat, sehr gut gefallen und besonders hervorzuheben ist, dass es weder Schwarz noch Weiß gibt – man kann wohl kaum jemanden als wirklich gut oder böse bezeichnen.

Schreibstil

An Broms Schreibstil merkt man, dass er seine Charaktere und die Landschaften genau vor Augen hat – kein Wunder, ist er doch auch für die wahnsinnig tollen Illustrationen, die sich durch das Buch ziehen, verantwortlich. Gerald Brom ist nämlich in erster Linie Künstler und Illustrator und die Bilder im „Kinderdieb“ geben der Geschichte noch einmal eine besondere Magie. Manch einer mag die Ansicht vertreten, dass Illustrationen dem Leser die Fantasie nehmen, doch in diesem Fall passen die Zeichnungen einfach so perfekt, dass es daran nichts auszusetzen bedarf.

Quelle: Jessica Iser
Brom schafft es, mit seinem Schreibstil eine eigene Welt zu kreieren. Wie auch in seinen Bildern beschreibt er viele Details und das auch sehr schön – allerdings wird er dabei manches Mal zu ausschweifend. Und das ist einer der wenigen Kritikpunkte, die ich habe: Einige Passagen im Roman zogen sich etwas in die Länge, sodass ich gegen Ende stellenweise auch einmal quergelesen habe. Ich habe kein Problem mit langen Büchern, aber ein paar Seiten weniger hätten dem „Kinderdieb“ sicher nicht geschadet.

Lesevergnügen

Ich habe lange an diesem Roman gelesen und auch lange Freude damit gehabt. Aber wie gesagt, wahrscheinlich wäre ich schneller durchgekommen, wenn einige Ausschweifungen etwas gestaucht worden wären, denn teilweise nahmen sie etwas von der Spannung. 

Trotzdem bin ich alles in allem sehr angetan von Broms Werk, denn die Charakterentwicklungen und der Ausgang der Geschichte hinterlassen einen bittersüßen Beigeschmack – und was anderes hätte ich mir von „Der Kinderdieb“ auch nicht erhofft. An dieser Stelle seien auch zarte Gemüter gewarnt: In diesem Buch fließt viel Blut und an Kraftausdrücken wird auch nicht gespart. Damit ist „Der Kinderdieb“ insgesamt düsterer, als ich dachte, aber das gefällt mir. Wer also eine Alternative zum netten Peter Pan sucht, ist hier genau richtig. Ich vergebe vier Leseratten an „Der Kinderdieb“ von Brom.
Erzählt mir in den Kommentaren jederzeit gerne von euren liebsten Märchen-Adaptionen – ich bin gespannt!

Liebste Grüße

1 Kommentar:

  1. Du hast mein Messer gemopst :D
    btw, ich mag ja die Gebrüder-Grimm-Comics sehr!

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