Freitag, 30. Juni 2017

Rezension: "Das Erdbeermädchen" von Lisa Stromme

Im Urlaub hatte ich endlich mal wieder Zeit, mehr zu lesen und habe innerhalb von zwei Tagen "Das Erdbeermädchen" von Lisa Stromme* verschlungen. Für mich war das Buch genau das Richtige für den Sommer – aber lest selbst.

"Solange sie malt, was sie fühlt, wird sie überall Inspiration finden."

 

Story


Im Sommer 1893 bereiten sich die Bewohner von Åsgårdstrand auf die Ankunft ihrer reichen Sommergäste vor. So auch die Erdbeersammlerin Johanne, die in diesem Sommer als Hausmädchen im Hause Ihlen dienen soll. Sie freundet sich schnell mit der leidenschaftlichen Tullik Ihlen, der Tochter des Admirals, an. Als diese jedoch eine Affäre mit dem damals noch unbekannten und geächteten Edvard Munch beginnt, stellt das nicht nur ihre Freundschaft auf eine harte Probe.

Charaktere


Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Johanne. Sie ist zunächst wenig begeistert davon, den Sommer nicht mit dem Sammeln von Beeren, sondern im Haushalt der Ihlens zu verbringen. Doch schon bald ist sie fasziniert von Tullik und deren Welt. Johanne schien mir lange Zeit nicht wirklich zu wissen, was sie will. Sie ist sich unsicher, ob sie ihren Freund Thomas heiraten möchte, und traut sich auch nicht wirklich, Tullik Kontra zu geben – was wiederum auch verständlich ist, da sie nur das Dienstmädchen ist und ihre Freundin nicht enttäuschen möchte. Tullik hingegen blüht so sehr in ihrer eigenen Traumwelt auf, dass sie nicht wahrnimmt, was sie um sich herum zerstört. Die Porträtierung ihres ungebändigten, wilden Charakters fand ich sehr gelungen, auch wenn sie mir nicht immer hundertprozentig sympathisch war.

Edvard Munch wurde gut als der verträumte, innerlich zerrissene und eigenbrötlerische Maler dargestellt. Abgesehen davon blieb er aber leider recht blass. Ich denke aber auch, dass es dem Buch ganz gut tat, dass er nicht einen noch höheren Stellenwert eingenommen hat, schließlich drehte sich bereits die gesamte obsessive Sommerromanze um Edvard Munch. So blieb auch Raum für die Freundschaft zwischen Johanne und Tullik.

Schreibstil


Der Schreibstil von Lisa Stromme ließ sich gut und flüssig lesen. Trotz der Ich-Perspektive von Johanne kommen auch die Gefühle der anderen Charaktere, insbesondere Tulliks, sehr gut rüber. Johannes Leidenschaft für die Malerei wird durch ihre Beschreibung von Situationen und Emotionen in Form von Farben unterstrichen. Stellenweise hat es die Autorin aber ein wenig überstrapaziert, wie ich finde. Etwas weniger hätte dem Effekt auch gutgetan. Dafür gefielen mir die Kapiteltitel und Einstiege anhand der Farbenlehre von Johann Wolfgang von Goethe sehr, besonders da das Buch selbst auch im Roman vorkommt.

Man merkt, dass die Autorin einiges recherchiert hat und die Art, wie sie Edvard Munchs Malereien und deren Entstehung in die Geschichte einbaut, gefiel mir ausgesprochen gut. Man könnte glatt glauben, dass es sich irgendwie in der Form zugetragen hat. Sein wohl berühmtestes Bild "Der Schrei" nimmt am Ende der Geschichte eine zentrale Rolle ein, was von Johanne gut beschrieben wird. So werden die Gefühle, die das Bild vermittelt, auch beim Lesen deutlich.

Lesevergnügen


Insgesamt war "Das Erdbeermädchen" die perfekte Urlaubslektüre für mich. Die Beschreibungen von Åsgårdstrand, den lauen Sommerabenden und Tanzveranstaltungen dort lassen sich sehr angenehm am Strand bei Meeresrauschen lesen. Dass sich der Roman als doch recht düster und dramatisch entpuppte, gefiel mir sehr gut, denn ich bin ohne besondere Vorkenntnisse oder Erwartungen an das Buch herangegangen. Ich war also doch recht überrascht, wie schnell ich es ausgelesen hatte und wie gut es mir am Ende gefiel. Das Cover vermittelt den Eindruck einer Leinwandmalerei und passt in dieser Hinsicht ganz gut, wirkt aber insgesamt etwas zu fröhlich und man könnte daher glauben, dass es sich um ein eher seichtes Thema handelt.

Fazit: Ein gefühlvolles Buch über Freundschaft, Leidenschaft und die Liebe zur Kunst. Wer mit diesen Themen etwas anfangen kann, ist mit diesem Buch als Sommerlektüre gut bedient. Ich gebe dem Roman vier von fünf Leseratten.
Danke auch an den Heyne Verlag, der mir "Das Erdbeermädchen" von Lisa Stromme zum Lesen zur Verfügung gestellt hat.

Welche Sommerbücher könnt ihr empfehlen?

Liebste Grüße







* Rezensionsexemplar

Kommentare:

  1. Warum wurde denn eine Ratte abgezogen? Schreibst ja nix negatives. Nur wegen dem Übertriebenen Beschreiben von Emotionen?
    Und ist Der Schrei der gleiche aus unserer Welt?

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    1. Ja, für die volle Punktzahl hätte mir halt noch was gefehlt. Die Wiederholungen beim Stilmittel und dass Edvard Munch eher blass geblieben ist.
      Und ja, "Der Schrei" von Edvard Munch. Spielt ja in Norwegen.

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  2. Hey :) Ich habe das Buch auch gerade rezensiert und war völlig begeistert davon. Du kommst ja auch zu einem eher positiven Urteil, auch wenn du den Schreibstil etwas kritisiert hast. Mir hat diese intensive Emotionalität und der große Wert, der auf Farben gelegt wurde, tatsächlich mit am besten gefallen und gar nicht gestört. Aber du hast deine Kritik wirklich gut vorgebracht. Genau deswegen habe ich deine Rezension auch bei meiner eigenen verlinkt. Falls du das nicht willst, gib mir ruhig Bescheid, dann entferne ich den Link wieder.

    Liebe Grüße,
    Julia

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    1. Hallo Julia,

      danke dir, das freut mich! :) Hab direkt mal bei deinem Blog vorbeigeschaut und werde nachher noch etwas stöbern gehen :)

      Stimmt, das ist dann wahrscheinlich einfach Geschmackssache. Aber insgesamt hat mich das Buch ja auf jeden Fall überzeugt. Freut mich, dass es dir auch gefallen hat und danke für deinen lieben Kommentar!

      Liebste Grüße
      Jessi

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