Sonntag, 9. Juli 2017

Vom fehlenden Selfpublishing-Maßstab in der Buchbranche

Quelle: Nika Sachs / Jessica Iser
Vor einem Monat waren meine Autorenkollegin Nika Sachs und ich auf der Buchmesse Hofheim, die am 10. und 11. Juni 2017 zum ersten Mal in Hofheim Wallau stattfand. „Die Messe von Autoren für Autoren und Leser“ hieß es auf der Website. Das Interessante: Die Messe richtet sich speziell an Selfpublisher und kleinere Verlage. Leider war in diesem Fall nur die Idee gut, denn die Umsetzung entsprach kaum dem, wofür auf der Website geworben wurde – nämlich, dass besonderer Wert auf einen „Profi-Auftritt“ gelegt wird. Davon abgesehen, dass der überschaubare Messeraum wie leergefegt wirkte, konnte leider auch das Angebot nicht überzeugen.

Wo wir tolle Indie-Veröffentlichungen und anregende Gespräche mit anderen Autoren, Verlegern und Selfpublishern erwarteten, bot sich uns leider nur das, was viele Leser am Selfpublisher-Angebot abschreckt. Poster von unprofessionell zusammengewürfelten Buchcovern und Erotik im Klischee-Gewand sind – je nach Anspruch – nicht unbedingt das, womit man sich als Selfpublisher in der Buchbranche identifizieren möchte. Und damit wären wir auch schon beim Thema: warum Selfpublishing oft noch einen so schlechten Ruf hat.

Über den Inhalt dieser Bücher möchte ich gar nicht urteilen, da ich nichts davon gelesen habe. Aber wenn man sich anschaut, wie ebendiese Bücher beworben werden, ist das leider auch kein Wunder. Wie Nika Sachs so schön sagte: ",Never judge a book by it’s cover' gilt leider nur für Menschen und nicht für Bücher." Es mag durchaus sein, dass diese Bücher Potential haben, leider wird es durch schlechtes Marketing oft schon von vornherein verschenkt. Denn wenn wir ehrlich sind, greifen wir automatisch zu Büchern, die uns zunächst optisch ansprechen. Wenn sich ein Autor erst einmal einen Namen gemacht hat, sieht das vielleicht schon wieder anders aus. Ist der Autor unbekannt, muss er aber erst einmal Aufmerksamkeit bekommen – am besten natürlich positive Aufmerksamkeit. Da beginnt gutes Marketing schon bei der Wahl des Pseudonyms und zündet am besten mit einem hochwertigen Cover sowie direkt im Anschluss natürlich mit einem ansprechenden Klappentext. 

Es gab aber auch positive Beispiele auf der Buchmesse Hofheim. Einige der Sachbücher dort waren professionell gestaltet und wären im Buchhandel mit Sicherheit nicht negativ aufgefallen. Warum geht das nicht immer so? Wenn jemand ein Buch geschrieben hat, von dessen Inhalt er wirklich überzeugt ist, warum verkauft er es dann so sehr unter Wert – schlechtes Klischee-Cover und fehlendes Lektorat inklusive? Sicher, für manche ist es ein reines Hobby, denen ein professioneller Anspruch an die Veröffentlichung egal ist oder die einfach einen geringeren Maßstab hegen. Aber die Selfpublisher, die auf Professionalität wert legen, um auch neben Verlagsbüchern zu konkurrieren, werden im Großen und Ganzen vom Ruf her mit runtergezogen.
Wenn alle Selfpublisher ihr Potenzial und ihre Möglichkeiten ausschöpfen würden, dann gäbe es nicht dermaßen viele Vorurteile gegenüber dieser Branche. Doch leider fehlt ein geeigneter Maßstab anhand dessen Selfpublishing-Bücher bewertet werden können. Ich bin daher gespannt, wie dieser Umstand Ende des Jahres beim Deutschen Selfpublishing-Preis gehandhabt werden wird, da dort alle Teilnehmer gewisse Richtlinien erfüllen müssen (mehr dazu könnt ihr hier nachlesen). Vielleicht wirft das ja noch einmal ein neues Licht auf die Branche und bietet Orientierung für alle, die Selfpublishing nicht nur als Hobby, sondern als ernsthafte Chance auf dem Buchmarkt betreiben möchten.

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit Nika Sachs entstanden.

Kommentare:

  1. Gute Cover kosten nun mal Geld oder Kontakte :( Hätte man beides, würde man vlt auch nicht Self-Publishen

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    1. Wenn man Geld und Kontakte hat – gerade dann lohnt sich SP doch wegen der Freiheiten.
      Aber ja, ich sehe die Kostenproblematik und stehe auch davor ... Der Anspruch ist aber trotzdem da.

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  2. Fehlendes Lektorat? Das frage ich mich selbst bei SPlern, die nun bei einem großen Verlag veröffentlichen.
    Die werden gehypet, obwohl der Stil hochnotpeinlich ist!

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    1. Das stimmt, das ist mir leider auch schon oft aufgefallen und wäre auch wieder ein Thema für sich. Man kann es natürlich auch von der Seite betrachten: Viele SP-Bücher sind mittlerweile fehlerfreier und professioneller als Verlagsbücher. Für Konsumenten heißen gut vermarktete Verlagsbücher oft auch Qualität, auch wenn dem im Vergleich nicht immer so ist.

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  3. Es ist ganz einfach. Ich gebe 1700 Euro für Profilektorat,-cover und -buchsatz. Nach sechs Monaten hab ich knapp die Kosten rein und die Verkaufszahlen sind mittlerweile im Keller. Diverse Kollegen haben alles selbst zusammengeschustert, fast keine Ausgaben, und trotzdem 500 Euro Gewinn gemacht, obwohl sie nur knapp ein Drittel von dem verkauft haben, was ich verkaufen konnte. Tja, so siehts aus. Und was den SP Preis angeht, da bin ich auch sehr gespannt, obwohl ich noch so meine Zweifel habe. Mal sehn.

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    1. Die hohen Lektoratskosten sehe ich auch problematisch. Die wieder reinzukriegen, ist natürlich ein Risiko. Und auch ich stehe natürlich vor der Frage: Wenn ich meinen Roman in Zukunft nicht bei einem Verlag unterkriegen sollte (was wenig wahrscheinlich ist), kann ich dann die ganzen Kosten für Lektorat, Cover und Co. alleine tragen? Marketing kommt ja dann auch noch hinzu, wenn die Verkaufszahlen entsprechend sein sollen. SP ist wirklich kein einfaches Pflaster und ich bewundere alle, die diesen Weg gehen.
      Ich verstehe den Frust, wenn andere weniger Geld oder Arbeit in ihre Werke stecken und dennoch erfolgreicher sind. Zahlreiche Leser legen wahrscheinlich auch nicht so großen Wert auf die Qualität, solange sie unterhalten werden. Aber ich denke, wenn man sich positiv von der Masse abheben will, dann kommt man da leider nicht drumherum. Egal, wie gut man in Rechtschreibung, Grammatik und Co. ist: Korrektorat und Lektorat machen am Ende eben doch nochmal viel aus – oft aber leider auch nicht, denn wenn ich mir anschaue, wie es in manchen Verlagsbüchern vor Fehlern wimmelt, frage ich mich, wo da das Geld hingeflossen ist. Man muss also auch aufpassen, in welchen Lektor man investiert...

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