Sonntag, 24. Januar 2016

Rezension: "Auf Pilgerfahrt mit Gevatter Tod" von Daniel Mosmann



Hallo ihr Lieben,

der Jahresbeginn ist ja nun nicht allzu lange her, doch erreichte mich damals eine E-Mail vom Autor Daniel Mosmann, ob ich denn seine Kurzgeschichtensammlung „Auf Pilgerfahrt mit Gevatter Tod“ lesen könne. Dabei fielen Vergleiche wie Stephen King und H. P. Lovecraft und in Anbetracht der Tatsache, dass es sich bei letzterem um meinen Lieblingsautoren handelt, war die Messlatte schon ganz schön hoch gehängt – aber ich wurde nicht enttäuscht.


Da lacht des Todes Munde süß,

sagt: „Steh auf mein Jung, komm auf die Füß,

wir treten eine weite Reise an,

wohin niemand lebend gehen kann.“

Quelle: Jessica Iser


Story
Bei „Auf Pilgerfahrt mit Gevatter Tod“ handelt es sich um zehn Kurzgeschichten beziehungsweise Gedichte, die allesamt schaurig-schön und immer bitterböse sind. Die Sammlung setzt sich aus den folgenden Titeln zusammen:

·         Winterzauber
·         In einem Landhaus
·         Oben, auf dem Knochenberg
·         Zur alten Linde
·         Biester
·         Das sonderbare Begräbnis des William M. Roth
·         Das Exkrement Gottes
·         Zwischen Kraut und Kartoffeln
·         Die vergessenen Kinder
·         Auf Pilgerfahrt mit Gevatter Tod

Dabei werden mal traurig, mal düster, mal mit schwarzem Humor Schauergeschichten erzählt. Ein Zimmermädchen im Schwarzwald kommt hinter die dunklen Geheimnisse vom Tod des Hausherren, ein Wanderer verbringt eine wahrlich gruselige Nacht in einer Burgruine, in einem Dorf scheint eine Froschplage der Auslöser von unerklärlichen Begebenheiten zu sein und eine betagte Bäuerin bekommt es mit ihrer Vogelscheuche zu tun – das sind nur ein paar Beispiele der enthaltenen Geschichten. Nicht immer kann man dabei sicher sein, ob die Charaktere wirklich Schreckliches erleben oder einfach nur verrückt sind.

Charaktere
Damit wären wir dann auch schon bei den Charakteren. Obwohl es sich um Kurzgeschichten handelt, gingen einem die Schicksale einiger Charaktere nahe. Ihre Emotionen traten jederzeit gut hervor und ich kann sagen, dass jede Person in diesem Buch wirklich einen eigenen „Charakter“ hatte, sei es die alte Bäuerin Else Knoche aus „Zwischen Kraut und Kartoffeln“ oder der namenlose Erzähler, der in „Das Exkrement Gottes“ einen richtigen Scheißtag erlebt.

Schreibstil
Ein Leichentuch aus Frost bedeckte alles Leben.
Ich gebe zu, schon während des Lesens habe ich mich auf diesen Punkt gefreut. Denn wer glaubt, Horrorgeschichten könnten nicht poetisch und schön sein, der wird mit „Auf Pilgerfahrt mit Gevatter Tod“ sicher eines Besseren belehrt werden. Und ja, ich muss auch zugeben, die Vergleiche mit H. P. Lovecraft oder Edgar Allan Poe sind nicht weit hergeholt. Tatsächlich fühlte ich mich an die unheimlichen Atmosphären aus Lovecrafts Geschichten erinnert. Ich muss wohl an dieser Stelle nicht mehr dazu sagen, dass mich der Schreibstil sehr überrascht und begeistert hat. Schaurig-schön trifft es hier wohl auf den Punkt.

Lesevergnügen
Wenn es nicht gerade der Schreibstil war, der mein Leserherz erfreut hat, musste ich ein ums andere Mal schmunzeln oder auch mal laut auflachen. Denn die Geschichten sind nicht nur unheimlich oder regen zum Nachdenken an, nein, sie sind teilweise auch überaus witzig – zumindest wenn man auf bitterbösen Humor steht. „Oben, auf dem Knochenberg“ bot hier den ein oder anderen Moment, aber allen voran ist „Das Exkrement Gottes“ wohl das lustigste Werk in dieser Sammlung. Abgesehen davon bieten auch die beiden Gedichte „Zur alten Linde“ und „Auf Pilgerfahrt mit Gevatter Tod“ tolle Ideen und Satzkonstrukte.
Es fällt mir tatsächlich schwer, einen Favoriten auszuwählen. Die längste Geschichte „Biester“ steht neben „Oben, auf dem Knochenberg“ jedoch ziemlich weit oben auf meiner Liste.

Fazit: „Auf Pilgerfahrt mit Gevatter Tod“ ist für jeden Grusel-Fan zu empfehlen. Wer dann noch auf einen schönen Schreibstil und eine Prise Humor setzt, ist hier goldrichtig. Ich komme wohl nicht drum herum, mir auch das Erstlingswerk „Von Kastanien und Knochen“ genauer anzuschauen. Es wird an dieser Stelle wohl niemanden mehr verwundern, dass ich fünf von fünf Ratten für diese tolle Kurzgeschichten-Sammlung vergebe.


An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bei Daniel Mosmann für das Rezensionsexemplar bedanken. Und damit wünsche ich euch noch einen schönen restlichen Sonntag!

Liebste Grüße

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