Sonntag, 8. Mai 2016

Rezension: "Die Beschenkte" von Kristin Cashore

Hallo ihr Lieben!

Es ist mal wieder Sonntag und der Mai ist auch schon acht Tage alt – verrückt, wie die Zeit vergeht, oder? Ich habe meine letzte freie Woche im April natürlich effektiv fürs Lesen und Schreiben genutzt. Es war endlich an der Zeit, "Die Beschenkte", den ersten Band von Kristin Cashores Trilogie "Die sieben Königreiche" von meinem SuB zu streichen. Was ich davon halte und ob ich weiterlesen werde, das erfahrt ihr in meiner heutigen Rezension.

"Einen Mord konnte man nicht wieder rückgängig machen, und sie hatte genug getötet."

Quelle: Jessica Iser
Story
Katsa ist eine Beschenkte. Sie gehört zu den Menschen in den sieben Königreichen, die mit einer Gabe geboren werden. Doch Katsas Gabe ist eine ganz besondere: Sie hat die Gabe, zu töten. Kein Wunder, dass König Randa ihre Fähigkeiten für seine Geschäfte nutzen will. Was er nicht weiß: Katsa führt einen geheimen Rat, um anderen Menschen zu helfen. Während eines Auftrags begegnet sie dem Beschenkten Bo – ein Krieger, der ihr gewachsen zu sein scheint. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg, die Entführer von Bos Onkel zu finden. Dabei entdecken sie nicht nur Gefühle füreinander, sondern auch dunkle Geheimnisse, die selbst den beiden Beschenkten gefährlich werden können...
Kristin Cashore hat mit "Die Beschenkte" ein romantisches Fantasyabenteuer geschaffen, das einen spannenden Auftakt zur Reihe "Die sieben Königreiche" bildet.

Charaktere
In "Die Beschenkte" gab es einige Charaktere, die ich direkt ins Herz geschlossen habe. Trotzdem hätte ich mir für einige von ihnen mehr Seitenzahlen gewünscht oder mehr Hintergründe zu deren Leben und Handeln. Warum sind bestimmte Charaktere Mitglied im geheimen Rat? Wie geht ihre Geschichte weiter? Vielleicht werden einzelne Handlungsstränge in den beiden Folgebänden noch fortgeführt – ich weiß bereits, dass Band 2: "Die Flammende" einige Jahre vor den Ereignissen aus "Die Beschenkte" spielt. Daher bin ich gespannt, wie sich die Bücher am Ende zusammenfügen werden und welche Charaktere noch eine tragende Rolle bekommen. In "Die Beschenkte" stehen vor allem Katsa und Bo im Mittelpunkt, denn ihre Beziehung macht einen nicht unerheblichen Teil des Romans aus. Beide hatten eine tolle Dynamik miteinander und waren dennoch eigenständig und unabhängig voneinander. Bei Katsa hätte ich mir gewünscht, mehr über ihre Prinzipien zu erfahren und warum sie diese so verbissen vertritt – diejenigen von euch, die das Buch gelesen haben, werden vielleicht wissen, was ich meine. Alle anderen möchte ich nicht spoilern, auch wenn es für die Handlung nicht wirklich viel zur Sache tut.

Schreibstil
Und mit dieser Kategorie kommen wir zu meinem Hauptproblem mit diesem Buch. Ich bereue es fast, dass ich "Die Beschenkte" auf Deutsch gelesen habe, denn ich fürchte, dass der Schreibstil durch die Übersetzung sehr gelitten hat. Alles in allem war der Roman sehr gut und schnell zu lesen, es wurde nie langatmitg. Dennoch musste ich mich an die doch sehr bescheidene Sprache der Autorin – was zum Teil, wie gesagt aber auch an der Übersetzung liegen kann – erst einmal gewöhnen. Anfangs dachte ich, dass mir der Schreibstil den Spaß am Lesen vermiesen würde. Etwas, das sicher der Übersetzung zu Schulden kommt, ist, dass die Könige gesiezt werden. Von Fantasyromanen bin ich aber eigentlich gewohnt, dass "Ihr" oder "Euch" benutzt wird, wenn Edelleute angesprochen werden. "Sie" erscheint mir da jedes Mal zu modern und fehl am Platz, aber vielleicht bin ich da auch etwas zu festgefahren in meiner Ansicht. Ein anderes Beispiel ist, dass "Kopfschmerzen" auch im Fließtext immer ganz flapsig als "Kopfweh" bezeichnet werden. Natürlich darf man nicht außer Acht lassen, dass es sich um ein Jugendbuch handelt. Insgesamt war mir der Schreibstil aber leider etwas zu einfach gehalten, da hätte ich mir mehr Kreativität gewünscht, aber vermutlich ist das Jammern auf hohem Niveau, denn nichtsdestotrotz oder gerade deshalbt ist "Die Beschenkte" ein Buch, das ich trotz 496 Seiten innerhalb kürzester Zeit verschlungen hatte.

Lesevergnügen
Wie ihr euch daher bereits denken könnt, war zu Anfang auch das Lesevergnügen durch den bescheidenen Schreibstil etwas beeinträchtigt. Nachdem ich mich aber daran gewöhnt hatte, nahm mich die Geschichte gefangen. Ich wollte immer wissen, wie es weitergeht und wohin die Reise führen würde. Die Charaktere machten Spaß und auch die sieben Königreiche versprechen Potenzial. Ich hoffe, dass in den nächsten Bänden noch mehr darüber in Erfahrung gebracht wird. Katsa und Bo bildeten ein schönes Team und ich hoffe, dass man auch in der einen oder anderen Form auch in "Die Flammende" und "Die Königliche" wieder von ihnen lesen wird. Insgesamt war "Die Beschenkte" sehr spannend und ich kann es auch Einsteigern des Genres ans Herz legen. Lediglich das Ende hätte noch etwas runder sein können, das ging mir teilweise leider etwas zu schnell, nachdem sich die Story auf einen gewissen Punkt hin immer weiter aufgebaut hatte.
Fazit: "Die Beschenkte" von Kristin Cashore ist eine sehr schöne Geschichte für Fantasyleser, die gerne eine gute Portion Romantik und Witz in ihren Büchern haben. Katsa und Bo bekommen definitiv Sympathiepunkte von mir, aber genauso muss ich leider auch etwas abziehen, denn am Schreibstil (oder der Übersetzung) und am Ende des Buches hätte man noch etwas feilen können. Ich habe das Gefühl, dass "Die Beschenkte" ein Buch ist, das ich sicher mehrmals gelesen hätte, wenn ich schon in meiner Jugendzeit darauf gestoßen wäre, denn es ist eines dieser Bücher, die man irgendwie ins Herz schließt, auch wenn sie nicht perfekt sind. Und deshalb bekommt "Die Beschenkte" von mir vier Leseratten.

Habt ihr "Die sieben Königreiche" schon gelesen? Ich bin gespannt, was die beiden Folgebände bereithalten werden – zumal sie auch von jemand anderem übersetzt wurden. Ob sich da wohl was verbessert? Ich werde es bald herausfinden.

Bis dahin


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