Sonntag, 19. Juni 2016

Rezension: "Von Kastanien und Knochen" von Daniel Mosmann

Hallo ihr Lieben,

vor geraumer Zeit habe ich Daniel Mosmanns "Auf Pilgerfahrt mit Gevatter Tod" rezensiert, eine schaurig-schöne Kurzgeschichtensammlung. Ich war sehr begeistert vom Schreibstil des Autors und seinen Ideen, weshalb ich nun auch seinen eigentlichen Vorgänger-Band "Von Kastanien und Knochen" rezensieren durfte.

"Dann starrte er mir schließlich direkt in die Augen und ich erkannte die Dunkelheit in seinen Augenhöhlen – hinter seinen Augen war es Nacht; für immer, dachte ich, und schon seit Anbeginn der Zeit."

Quelle: Jessica Iser


Story
Der Sammelband enthält elf unheimliche oder mystisch angehauchte Kurzgeschichten:

       ·         Gesellschaft im Moor
·         Der Narrenbrunnen
·         Das biologische Wunder Fleisch
·         Regentage
·         Mein Vermächtnis
·         Familienbande
·         Der Mann auf dem Dach
·         Crosse 517
·         Im Zug der Zeit
·         Wie der Staub im Wind
·         Von Kastanien und Knochen

    In den einzelnen Geschichten verschwimmen von Geschichte zu Geschichte die Grenzen zwischen Seltsamem und Übernatürlichem. So erzählt eine Geschichte von einem Pfarrer, der glaubt, das Böse sei in sein Dorf gezogen, eine andere von einem Misanthropen, der sich plötzlich in einem menschenleeren Zug im Nirgendwo wiederfindet. Monster, Roboter oder einfach nur unnatürliche Begebenheiten ziehen sich durch diesen Kurzgeschichtenband.

    Charaktere
    Wie auch die Geschichten, unterscheiden sich die Charaktere oder Erzähler voneinander. So liest man teils Tagebucheinträge oder Erzählungen aus der Ich-Perspektive, sowie in der auktorialen Erzählweise. Dass bestimmte Charaktere besonders hervorstachen oder mir zum Teil gar nahe gingen, wie in "Auf Pilgerfahrt mit Gevatter Tod", das blieb hier leider eher aus.

    Schreibstil
    Kaum hatte ich das Buch aufgeschlagen und die erste Zeile gelesen, hatte ich ein Gefühl von "nach Hause kommen", wie es eben auch manchmal so ist, wenn man eine gute Buchreihe beginnt und sich auf mehr freut. Der Schreibstil erinnerte mich gleich wieder daran, warum ich "Auf Pilgerfahrt mit Gevatter Tod" so sehr gemocht hatte. Und so begann auch "Von Kastanien und Knochen" stark. Dennoch musste ich beim weiteren Lesen immer wieder feststellen, dass der Mosmanns Schreibstil zum Teil noch unausgereift scheint. Zwar ist sein Schreibstil auch in "Auf Pilgerfahrt mit Gevatter Tod" sehr ausschweifend, verschachtelt und recht Lovecraft-isch. Doch in dieser Sammlung hatte ich das Gefühl, dass die Geschichten und der Stil noch nicht ganz stimmig sind.

    Lesevergnügen
    Der Schreibstil hatte demnach selbstverständlich auch Auswirkungen auf mein Lesevergnügen. Denn auch wenn es einiges gab, über das man hinwegsehen kann, so muss ich doch sagen, dass ich bei vielen Geschichten bereits zu Beginn vorausahnen konnte, wie diese enden würde. Dies lag zum Teil auch daran, dass der Autor teils vorgreift und damit bereits andeutet, dass ein bestimmtes Ereignis zu einem späteren Zeitpunkt beziehungsweise zum Zeitpunkt des Erzählens eintritt oder bereits eingetreten ist. Dieses Stilmittel kann durchaus ansprechend sein, bei manchen Geschichten, hätte man es sich aber getrost sparen können, denn der Spannungsbogen blieb dadurch leider oft aus.

    Hervorheben möchte ich aber die Geschichten, die der Qualität von "Auf Pilgerfahrt mit Gevatter Tod" sehr nahe kommen oder auch ebenbürtig sind. So fand ich neben der Eröffnungsgeschichte auch "Der Narrenbrunnen" sehr fesselnd, denn hier traf ich auch auf den Erzähler aus "Oben, auf dem Knochenberg" vom Nachfolgeband. In "Familienbande" wird der Leser auf eine Monsterjagd mitgenommen und in der recht kurzen Geschichte "Der Mann auf dem Dach" glaubt eine alte Frau, von jemandem beobachtet zu werden. Am besten gefiel mir jedoch die abschließende Titelgeschichte, die aufdeckt, warum auf Hedwig Steiners Grab keine Blumen wachsen. Diese Geschichte war eher traurig als unheimlich, schaffte es jedoch, mich zu berühren und nachdenklich zurückzulassen.

    Fazit: Insgesamt reicht die Qualität hinsichtlich Schreibstil, Spannung und bösem Humor – denn davon hatte der Nachfolger jede Menge – nicht an "Auf Pilgerfahrt mit Gevatter Tod" heran. In diesen Bereichen wäre das Erstlingswerk sicher noch ausbaufähig gewesen. Doch bereits hier lässt sich der Ideenreichtum des Autors erkennen und ich kann nur jedem Horrorfan empfehlen, sich doch einmal den Folgeband genauer anzuschauen – denn da hat Daniel Mosmann dann meiner Meinung nach alles richtig gemacht. Für "Von Kastanien und Knochen" vergebe ich drei Leseratten.


    Liebste Grüße


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