Mittwoch, 2. November 2016

Rezension: "All Hallow's Eve" von Richard Laymon

Hallo ihr Lieben,

eigentlich sollte dieser Beitrag schon vor zwei Tagen (bevor mich eine Krankheit niedergerafft hat) online gehen – passend zu Halloween. Denn es geht heute um "All Hallow's Eve" von Richard Laymon. Obwohl das Buch bereits sehr alt ist, erschien es in der deutschen Erstausgabe erst Anfang des Jahres unter dem Titel "Das Haus". Und da wurde ich darauf aufmerksam. Ich wollte ja schon lange einmal etwas vom Horrormeister Richard Laymon lesen, schließlich hatte ich schon so viel von ihm gehört. Daher sollte "All Hallow's Eve" also mein erster Roman von ihm werden. Konnte er mich auch überzeugen?

Quelle: Jessica Iser

Story

In der amerikanischen Kleinstadt Ashburg ist im Sherwood-Haus vor Jahren eine Familie bestialisch ermordet worden. Nun soll dort eine Halloweenparty stattfinden – und niemand weiß, wer der Gastgeber ist...

Gleich vorweg: Ich finde den Klappentext recht irreführend und möchte daher gerne darauf hinweisen. Denn im Original steht dort: "Trotz dieser finsteren Vorboten öffnen sich am Abend die Tore. Das blutige Spiel beginnt ..." Doch der Großteil des Romans spielt sich leider nicht wie angedeutet und von mir erwartet auf der Halloweenparty ab – die kommt leider erst ganz zum Schluss.

Charaktere

Im Verlauf der Geschichte folgen wir mehreren Charakteren, etwa dem Polizisten Sam oder dem Schuljungen und Außenseiter Eric. Es kommen immer wieder neue Charaktere dazu, stellenweise haben diese nur eine Handlung von wenigen Seiten. Eigentlich mag ich es sehr gerne, wenn Bücher aus mehreren Sichtweisen erzählt werden. Doch leider waren mir die Charaktere in "All Hallow's Eve" zu flach und bei einigen ist mir auch nach Beenden des Romans nicht klar, warum man überhaupt deren Einsichten erhalten hat, da sie nicht zur Handlung beitrugen.

Insgesamt muss ich zudem sagen, dass mir auch leider niemand wirklich sympathisch war. Und das muss ja auch gar nicht zwingend sein – zumindest, so lange die Charaktere trotzdem interessant geschrieben sind oder die Handlung vorantreiben. Ich hatte während des Lesens allerdings das Gefühl, dass dies meistens nicht der Fall war.

Schreibstil

Laymons Schreibstil las sich gut, wenn auch nicht herausragend. Aber ich glaube, dass dies in "All Hallow's Eve" vor allem der Story zuzuschreiben ist. Denn diese hat mich ziemlich enttäuscht. Und wäre obendrein der Schreibstil schlecht gewesen, hätte ich das Buch trotz der Kürze von 246 Seiten wohl abgebrochen.

Lesevergnügen

Es lässt sich wohl schon herauslesen, dass mir "All Hallow's Eve" von Richard Laymon nicht sonderlich gefallen hat. Und zusammengefasst kann ich sagen, dass das Gesamtpaket einfach nicht für mich funktioniert hat. Es begann eigentlich recht vielversprechend, die Anfangsszene gefiel mir gut und ich hoffte auf eine Atmosphäre à la John Carpenters "Halloween". Auch Sams Ermittlungskapitel gefielen mir zu Beginn noch ganz gut, weil ich ein nettes "Wer ist der Mörder?"-Mitratespiel erwartete. Aber dann kam leider schnell die Wendung – oder besser gesagt, keine Wendung: Es passierte einfach nichts. Zumindest kam es mir so vor. Und auch rückblickend kann ich sagen, dass ich mindestens die Hälfte des Buches gut hätte überspringen können, ohne etwas verpasst zu haben.

Ich werde in diesem Absatz über ein paar bestimmte Punkte der Handlung sprechen, die eventuell spoilerhaft sein könnten. Wenn ihr dies also nicht wissen wollt, springt hier bitte zu meinem Fazit im nächsten Absatz weiter. Trotz der vielen Charaktere kann man wohl sagen, dass Sam und Eric zentrale Rollen in der Handlung übernehmen. Eric mochte ich leider von Anfang bis Ende nicht, aber ich denke, er sollte auch keinen liebenswürdigen Jungen darstellen. Trotzdem sind mir seine Beweggründe etwas schleierhaft. Okay, er möchte wohl seinem leiblichen Vater imponieren, aber die Art und Weise, wie dies dargestellt wird, erscheint mir für einen Jungen in seinem Alter unglaubwürdig. Sam wurde mir sofort unsympathisch, als er sich nach einem nur 5-minütigen Gespräch unsterblich in eine Hotelangestellte verguckt, obwohl er kurz zuvor noch so verliebt in Erics Mutter war. Ich muss wohl nicht dazu sagen, dass es mir noch affiger vorkam, als das Buch völlig abrupt mit einer Szene von Sam und dem Hotelmädchen endet und das kurz nachdem Sams eigentliche Freundin ermordet wurde. Es kam mir so vor, als käme ihm das ganz gelegen oder mache ihm zumindest nicht viel aus. Das Lächerlichste an dieser "Liebesgeschichte" ist, dass es mit der eigentlichen Handlung auch rein gar nichts zu tun hat. Ich hätte mir gewünscht, dass diese hanebüchene Lovestory aus dem Buch gestrichen worden wäre. Und wie Eric mit der ganzen Geschichte umgeht oder was mit ihm passiert, wird in keiner Sekunde weiter behandelt, was mir absolut unschlüssig erscheint. Immerhin hilft er dem Mörder – und seine Mutter wird ermordet. Gut, ich könnte hier ewig mit offenen Fragen weitermachen, die mich zum Schluss des Buches geärgert haben. Aber ich werde jetzt einfach mein Fazit abgeben.

Fazit: Die Story hatte Potential, das nur in wenigen Szenen eingesetzt wurde, etwa die Anfangsszene oder die Szene mit dem Horrorautor und seiner Frau, die auf der Suche nach einem neuen Haus sind. Den Rest kann man sich eigentlich schenken. Das Erschreckendste an diesem Buch war tatsächlich das Ende, denn als es endlich zu der versprochenen Halloweenparty kam, wusste ich, dass auf den letzten 15 Seiten nicht mehr viel passieren kann. Und als dann endlich etwas passierte, war es vollkommen abrupt vorbei, wurde nur noch kurz auf der letzten Seite abgehandelt und beantwortete weder die interessantesten Fragen, noch die offenen Erzählstränge. Ich mag ja offene Enden, aber in diesem Fall wirkte es, als hätte Laymon selbst die Schnauze voll gehabt und wollte es einfach nur noch schnell hinter sich bringen. Wirklich sehr schade. Vielleicht habe ich einfach zu viel erwartet. Auf jeden Fall habe ich mich am Ende des Buches sehr geärgert, denn ich habe selten das Gefühl, dass ein Buch verschwendete Zeit war. Deshalb kann ich "All Hallow's Eve" auch nur eine enttäuschte Leseratte geben, denn für mich war es absolut nicht empfehlenswert. Horrorfans werden sich langweilen, selbst für Krimifreunde passiert zu wenig und die Charaktere sind einfach nicht gut genug ausgearbeitet, als dass sie für das Fehlen von Spannung einen Ausgleich schaffen könnten.


Sehr schade – mein erster Laymon war wohl ein Fehlgriff. Aber ich will mich nicht so einfach geschlagen geben und hoffe, mein nächster wird besser. Hat jemand Tipps für mich?

Liebste Grüße

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