Montag, 26. Dezember 2016

Rezension: „Namenlos. Eine Frankfurter Novelle“ von Nika Sachs

Weihnachten ist so gut wie vorbei und ich hatte auch einige ruhige Momente, um ein wenig zu lesen. Meine Feiertagslektüre bestand aus „Namenlos“ von Nika Sachs. Die Frankfurter Novelle ist mal etwas ganz anderes für mich gewesen. Und darum erzähle ich euch in meiner heutigen Rezension ein wenig darüber.

„Es geht eigentlich nur um das Wie.

Wie weit kann man einen Menschen kennen und lieben lernen, ohne seinen Namen zu kennen.“

Quelle: Jessica Iser

Story

Und darum geht es im Grunde auch. In „Namenlos“ treffen sich ein Mann und eine Frau, die sich beide nicht einander vorstellen. Lässt sich die Magie des Augenblicks mit einem Fremden so festhalten? Kann es funktionieren, wenn man sich praktisch rückwärts kennenlernt? Diesen Fragen geht die Autorin in ihrer Novelle mit viel Wortwitz und Sinn fürs Detail auf den Grund.

Charaktere

Natürlich fragt man sich auch als Leser die ganze Zeit über, wie die beiden denn nun heißen. Ob der Name schließlich etwas ändert, man die Charaktere, die man kennen und vielleicht auch lieben gelernt hat, nun mit anderen Augen sieht. Der und die Unbekannte bleiben in jedem Fall bis zum Ende interessant und spannend. Der Leser begibt sich mit den beiden auf eine Reise und lernt zwei Menschen auf eine ganz andere Weise kennen.

Ich mochte beide sehr und konnte mich mit der namenlosen Frau stellenweise gut identifizieren. Ob einem das wohl als Leser leichter fällt, wenn die Protagonisten gar keine Namen haben?

Schreibstil

Nika Sachs hat einen sehr speziellen Schreibstil mit Wiedererkennungswert, was man in anderen Geschichten leider oft vermisst. Dementsprechend ist er aber auch gewöhnungsbedürftig und dem einen oder anderen mag es schwerfallen, in das Buch reinzukommen. Auch ich musste erst einige Sätze zweimal lesen, doch schon bald las ich sie zweimal, weil sie mir so gut gefielen. Die 89 Seiten der Novelle sind gespickt mit Wortwitz, cleveren Metaphern und ungewöhnlich schönen Beschreibungen. Das ist so ein Stil von der Sorte, der einem lange in Erinnerung bleibt, den man aufsaugt und gar nicht mehr loslassen möchte.

Die Autorin schreibt als Allwissender Erzähler im Präsens – auch das ist nicht allgemein üblich, aber wäre es anders gewesen, hätte die Geschichte um die zwei Unbekannten vermutlich viel von ihrem besonderen Charme verloren.

Lesevergnügen

Mit ihrem Debüt „Namenlos“ hat Nika Sachs ein kleines Kunstwerk geschaffen, das in sich absolut stimmig und wunderbar abgeschlossen ist. Es gab Spannung, einen klasse Humor, sympathische Charaktere, Romantik und Überraschungsmomente – und das alles bei einem wunderbar poetischen Schreibstil, der auch perfekt das Großstadtfeeling Frankfurts in Szene setzt. Alles fügt sich einfach unglaublich zusammen. Ich kann nur sagen, dass die Novelle für mich rundum gelungen ist. So beweist Nika Sachs, dass auch im Selfpublishing einige Goldstücke zu finden sind.

Fazit: Wer mal eine Geschichte über das Kennenlernen der etwas anderen Art lesen möchte, ist hier genau richtig. Ich kann euch „Namenlos“ von Nika Sachs nur ans Herz legen. Mich hat es berührt und deshalb bekommt das Buch von mir auch die vollen fünf Leseratten.

Welches Buch durfte euch durch die Feiertage begleiten?

Liebste Grüße

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