Montag, 23. Januar 2017

Rezension: "Die drei Sonnen" von Cixin Liu

Endlich habe ich es geschafft, den Science-Fiction-Roman "Die drei Sonnen" von Cixin Liu auszulesen. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal herzlich beim Heyne-Verlag bedanken, der mir das Buch als Rezensionexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Auf dem Cover klebt ein roter Aufkleber mit der Aufschrift "Die Sensation aus China". Als ich den Klappentext gelesen habe, war ich sehr gespannt auf das Buch. Ich hatte schon lange keinen Sci-Fi-Roman mehr gelesen, da es für mich doch nicht so einfach ist, gute Literatur in diesem Bereich zu finden. Nun verrate ich euch, ob mich "Die drei Sonnen" begeistern konnte.

Quelle: Jessica Iser

Story

Die Geschichte beginnt in den 60er Jahren, als die junge Astrophysikerin Yen Wenjie während der Kulturrevolution in China ihren Vater verliert. In dieser stürmischen Zeit gelangt sie durch Glück im Unglück in die geheime Militärbasis "Rotes Ufer". Allmählich kommt Yen Wenjie dahinter, was es mit der riesigen Radioantenne wirklich auf sich hat – und dass die Menschheit vielleicht nicht alleine im Weltall ist... 38 Jahre später wird der Wissenschaftler Wang Miao in eine gefährliche Verschwörung hineingezogen. Und was hat es mit dem virtuellen Computerspiel "Three Body" auf sich?

Charaktere

Die Geschichte wechselt zwischen Vergangenheit und Gegenwart und verknüpft die Schicksale von Yen Wenjie und Wang Miao. Zunächst fiel es mir schwer, wirklich Sympathie für die Charaktere zu empfinden, da die auktoriale (allwissende) Erzählperspektive teilweise nicht allzu viel über die Gefühle der einzelnen Protagonisten preisgibt, eher auf eine distanzierte Art und Weise. Dennoch fieberte ich im Laufe der Geschichte mit Wang Miao mit und war gespannt darauf, was er entdecken würde. Auch Yen Wenjies Geschichte wird nach und nach erzählt, was sich meistens gut in den Rest eingefügt hat. Ich empfand die Charaktere jedoch stets als glaubwürdig, auch wenn einige Szenen etwas mehr Emotionen vertragen hätten.

Auf die restlichen Charaktere werde ich an dieser Stelle nicht eingehen, da sie eher in die beiden Storylines mit hineinspielen, meines Erachtens aber nicht als Hauptcharaktere profiliert werden. Es sei also nicht zuviel verraten.

Schreibstil

Cixin Lius Schreibstil fand ich von Anfang an gewöhnungsbedürftig. In den meisten Büchern, die ich lese, werden die personale Erzählweise oder der Ich-Erzähler verwendet. "Die drei Sonnen" wirkte durch seine auktoriale Erzählweise eher distanziert, wobei ich aber manchmal auch das Gefühl hatte, dass diese Perspektive nicht hundertprozentig durchgezogen wurde. Es fällt mir daher schwer, den Erzählstil genau einzuordnen.

Nachdem ich mich jedoch darauf eingelassen hatte, fühlte ich mich eher, als würde ich ein Drehbuch lesen oder einen Film sehen – was ja erstmal nichts Schlechtes ist. Cixin Lius recht nüchterner Schreibstil – oder zumindest dessen Übersetzung – wird sicher nicht mein Favorit, aber ich denke, für einen Science-Fiction-Roman funktionierte er ganz gut, zumal es in "Die drei Sonnen" auch häufig um physikalische und mathematische Theorien wie das Dreikörperproblem (daher der englische Buchtitel "The Three-Body Problem") geht. Hierbei fühlte ich mich häufig, als lese ich ein Sachbuch, jedoch keineswegs langweilig oder zu kompliziert – auch wenn ich nicht behaupten würde, alles ohne Hintergrundwissen hundertprozentig verstanden zu haben. Ob das also alles so logisch ist, dazu kann ich keine konkrete Aussage treffen, aber wie Cixin Liu es erklärte, ergab es zumindest in der Geschichte Sinn. Dennoch liegt hier auch ein Problem, dass ich mit "Die drei Sonnen" habe: Cixin Liu schweift in seinen Erklärungen leider oft ab, wodurch der Erzählfluss ein wenig ins Stocken geriet.

Lesevergnügen

Wie gesagt hat es eine Weile gedauert, bis ich mich an den Schreibstil gewöhnt hatte und in die Geschichte reinkam. Doch dann faszinierten mich die Theorien in diesem Buch und die Andeutungen zu den Außerirdischen bescherten mir hier und da eine Gänsehaut. Leider muss ich aber auch sagen, dass der Klappentext für meinen Geschmack zu viel verrät. Als ich ihn gelesen hatte, erschien es mir zwar nicht so. Aber rückblickend greift er leider in der Handlung vor, was mir schon während des Lesens bewusst wurde, sodass mich einige Wendungen leider nicht mehr überraschen konnten. Das war sehr schade, denn ich glaube, wäre es anders gewesen, hätte mir der Roman noch einige gute Aha-Effekte beschert. Aus diesem Grund habe ich meine Zusammenfassung der Story auch ein wenig abgeändert und rate euch an dieser Stelle davon ab, den originalen Klappentext zu lesen – in der Hoffnung, dass meine Inhaltsangabe in gewisser Hinsicht weniger preisgibt.

Zudem hatte "Die drei Sonnen" leider einige Längen. Cixin Liu hat viele Theorien, Dialoge und die Welt von "Three Body" ausschweifend erläutert. Einerseits ist dies eine der Stärken des Buches, aber an anderen Stellen funktionierte es leider nicht ganz für mich. Gegen Ende habe ich manches quergelesen, vor allem nachdem eine der "Wendungen", die ich bereits geahnt hatte, schließlich eintrat. Sicher ist all das interessant erzählt, dennoch hätte man bei den 545 Seiten dieses ersten Teils einer Trilogie auch einige Dinge straffen können. So aber wurde leider an manchen Stellen die Spannung des Romans gedrosselt.

Fazit: "Die drei Sonnen" ist ein guter Auftakt mit Potential. Die Geschichte wird vermutlich erst mit dem zweiten Band "Der dunkle Wald" richtig in Fahrt kommen und ich bin gespannt, wie es dann weitergehen wird – da muss ich mich mit der deutschen Ausgabe aber noch bis 2018 gedulden. "Die drei Sonnen" wird mich aber glaube ich noch eine Weile beschäftigen und hat definitiv auch in gewisser Hinsicht mein Interesse an der Physik wiedererweckt.

Zwei Leseratten Abzug gibt es für die teils langatmige, teils emotionsarme Erzählweise des Autors. Damit bekommt "Die drei Sonnen" von mir solide drei Leseratten und eine Empfehlung für Sci-Fi-Fans sowie Physik-Interessierte.

Lest auch ihr Science-Fiction-Romane und habt ihr vielleicht Empfehlungen für mich? Ich freue mich auf eure Kommentare!


Liebste Grüße






Kommentare:

  1. Aha, ein Rezensionsexemplar :) Der erste Schritt zur Karrierebloggerin! Glückwunsch!
    Empfehlen kann ich nicht so viele Science-Fiction-Bücher. Die Yuuzhan-Vong-Reihe aus dem Star-Wars-Universum war gut!

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    1. Danke :) Ich habe mich auch sehr darüber gefreut, da ich das Buch auch erst durch Heyne entdeckt habe.

      Ah ja :) Eigentlich möchte ich ja nicht mehr so viele neue Reihen beginnen, aber leider ist das mittlerweile gar nicht mehr so einfach, gute Einzelromane zu finden.

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